Ist die US-Finanz das Problem und nicht China?

Die momentanen Turbulenzen in China sind kein Zeichen von Schwäche des Reichs der Mitte, vielmehr sorgen sie für eine Umstrukturierung. Vor allem die von einer kleinen Finanzelite dominierte westliche Finanzindustrie spürt nun die Auswirkungen.

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In einer Woche verlor der Dow Jones Index ca. 1000 Punkte, S&P und Nasdaq schlitterten rasch nach unten, der Dax verlor soviel wie seit 8 Jahren nicht mehr. Alles, weil es mit China angeblich abwärts geht? Keineswegs. Betrachten wir die Situation in einem anderen Zeitrahmen (Zeit-Zusammenhang) und in einem globalen Spektrum (Welt-Zusammenhang), dann ergeben sich ganz andere Erkenntnisse. Die USA fluten seit 2009 und die EU fluten seit 2011 die internationalen Märkte mit billigstem Geld, um die Weltwirtschaft angeblich zu stabilisieren. In der gleichen Zeitspanne verloren die beiden globalen Ökonomien USA und EU kumuliert ca. 30 Prozent an Wirtschaftskraft, während die chinesische Wirtschaft um mindestens denselben Betrag anwuchs. Die freien, billigen Geldmengen (Dollar und Euro) wurden aber nicht zu den intendierten Zwecken verwendet (Investments in Anlagen und werthaltigen Gütern), sondern ausschließlich zu weiteren Spekulationsanlagen, Anleihen und Aktien (seit 2009 ca. 9.3 Billionen US-Dollar) sowie Fonds zum weiteren Erwerb spekulativer Derivate. Die Schattenbanken vergrößerten ihre Anlagen dramatisch, Weltkonzerne kauften in ungeahnter Höhe ihre eigenen Aktien zurück und verteilten die vordergründigen Bilanz-Positiva an ihr Management und teilweise auch an ihre Aktionäre – völlig naiv handelnd, denn in der gleichen Zeitspanne entwickelte sich die Weltwirtschaft weiter und die Konzerne blieben in ihrer Produktivität, ihren Produktpalette und ihrer Professionalität zurück, während China sich immer schneller weiter entwickelte.

Die Verschuldung durch den Geldrausch der FED und EZB wuchs in ungeahnte Höhen und die Handels-Balancen zwischen den führenden Weltwirtschaftsnationen gerieten außer Kontrolle. Dem nationalen Plan folgend senkte China seine Währung auf ein niedrigeres Maß ab und löste damit einen Wertverlust größten Ausmaßes unter den Spekulanten (aus den USA und der EU, sowie chinesischen Privatanlegern) aus. Der Wecker funktionierte, rasselte in brutalsten Tönen, so dass die USA (letztendlich die TSFC und Finanzmogule) endlich kapierten, dass China von nun an die Weltmärkte beherrschen konnte. Die Notbremse der institutionellen Anleger (TSFC) war das Verkaufen aller volatilen Werte und ihr Flüchten in Gold oder andere werthaltige Aussichten. Vergeblich. Der Wertverlust steigerte und verlagerte sich zusätzlich von den Devisenmärkten in die Aktienmärkte, der heimliche Crash war da. Kein China-Problem – nur ein Katalysator der falschen US-Finanzpolitik der vergangenen Jahre, in dem sie die Welt mit Geld zuschissen und glaubten, alles drehe sich nur noch um Geld und Zins-Zuwachs aus wachsenden Schwellenländern.

Und deswegen lesen wir heute in allen Medien (West-Medien) dass die Chinesen kein Wachstum mehr hätten, dass die Chinesen abschmierten, dass die Chinesen die Weltwirtschaft ruinierten (8 Prozent Wachstum der US-Wirtschaft von 2012 sind weniger als 7 Prozent Wachstum Chinas heute). Total falsch. Reinste Defätismus-Propaganda. Der Fingerzeig der blöden Geld-Jongleure auf diejenigen, die seit Jahren eine nationale und sichere Wirtschaftspolitik treiben und die Welt durchfüttern. Die Jongleure hingegen wollen nicht wahrhaben, dass ihre verfluchte Geldpolitik, ihr Ponzi-Wahn und ihre Betrugsmaschen die Welt in den Abgrund drücken, weil man Geld weder essen noch anbauen noch ernten noch verarbeiten noch verarbeitet benutzen kann. Eine Welt, die nur aus immer weiter expandierender Geldschieberei und spekulativen Versprechen besteht, kann nicht bestehen bleiben. Ein Wolkenkuckuksheim. Die Menschen in den USA und in Südeuropa haben nichts mehr zu essen, weil sie keine Jobs mehr haben, weil die Industrien gestorben sind und die Fabriken vor sich hinrosten. Der Import chinesischer Konsumgüter der USA macht mehr als die Hälfte aller importierten Waren aus; wenn die Bürger der USA nichts mehr konsumieren können, stagniert der Import und die Produktion Chinas verlagert sich. Märkte gibt es genügend, sie müssen nur bedient werden.

Die Chicago-Rohwaren-Börse trieb die Rohwarenpreise über die drei großen Player nach unten, einerseits, um die Produktion billiger zu machen und andererseits um die Schwellenländer als Lieferanten in die Bredouille zu treiben, denn die waren jetzt plötzlich diejenigen, die den Konsum und ihre Produktions-Wirtschaft ankurbelten, während die USA auf allen Märkten ihre Vormachtsstellung verloren. Obwohl selbst der Goldmarkt künstlich nach unten getrieben wurde durch die Leerverkäufe von Papiergold und die reichhaltigen, kriminellen Börsenmanipulationen, stieg der Goldpreis dank der „China-Krise“ innerhalb weniger Stunden rasant an – und wird noch eine Weile anhalten. Es hilft den USA nichts. Sie haben mit ihrer Flutungspolitik und des faulen Papiergeldes die Märkte nachhaltig zerstört. Die Flucht aus den Aktienmärkten der Schwellenländer wird die Krise verstärken, die Flucht in Gold ebenso und wenn die Fed tatsächlich wagt, die Zinsen anzuheben, wird das Blutbad noch größer. Denn die Regel ist einfach: Je dramatischer die Krise, desto heftiger die Reaktionen der Spekulanten! Jumping-on-the-band-Wagon ist die Kernstrategie aller Börsenfuzzis. Fraglich bleibt nur, wer bedient sich jetzt an den Rohstoffmärkten zu besonders günstigen Preisen – sind das wieder die TSFC oder ist es China.

Die Industriekonzerne und die Regierungen des Westens sind mit Krediten so vollgesogen, dass ihre Bilanzen sehr wahrscheinlich im nächsten Jahr nicht sehr rosig ausfallen dürften. Interessant wird es dann, wie man und womit man die vagabundierenden Debit-Kapitalströme umlenkt in produktive Wirtschaften. Eine ganze Reihe von Insolvenzen wird den Markt nicht prospektiver machen, eher im Gegenteil. Eine große Bereinigung steht an. Es könnte vermutet werden, dass die TSFC den Crash ausgelöst haben, um mittelfristig wieder bessere Wachstumschancen, bessere Gold-Verwertungschancen, günstigere Ausgangschancen an den Weltbörsen zu bekommen – ’next bubble‘ im Anmarsch. Es könnte aber auch sein, dass die TSFC von der Devisen-Korrektur des Yuan und dem nachfolgenden stock-ditch schlicht überrannt wurden. Niemand kann das jetzt genau analysieren. Was wir aber konkret sehen, ist die verhängnisvolle Automatik des Börsen-Computer-Handels und die Konzentration der TSFC. Beides sind Akzeleratoren, die die Welt ganz sicher in noch größere Unsicherheiten und Risiken drückt. Das Petrodollar-System ist definitiv am Ende, die Hypes als auch die Ditches sind der Beweis – hier wird nur noch Casino ohne Croupiers gespielt.

Wie ernsthafte Analysten und Mike Whitney (Stock Selloff: Panic Time or a Blip on the Radar; Counterpunch) richtig bemerkten, ist China nicht das wahre Problem. Das echte Problem sind die flottierenden Riesenmengen an Geld, die Anlagemöglichkeiten suchen und jeden Spread (Zins-Differenz) aufspüren und sofort mit Alles-oder-Nichts nutzen und damit die Hypes oder Ditches beflügeln. Die Fed und die EZB sind die wahren Verbrecher; sie haben das unnütze Geld in die Spekulationsmärkte gedrückt, weil die Eigentümer nicht mehr normales Geld verdienen wollen, sondern ihren immensen Superreichtum noch weiter erhöhen wollten. Die FED hat sich als das herausgestellt, was sie in Wirklichkeit ist: eine kriminelle Erpressungsmaschine für die Menschheit zum Wohle einer ganz kleinen Finanz-Clique. Denen ist egal, wie oft die Welt in einem crash versinkt. „Faites vos jeux!“ („Machen Sie Ihr Spiel!“) bittet der Börsen-Computer die Spieler um ihre Einsätze. Diese werden mit Gutschriften geleistet. Sind genug Einsätze getätigt, setzt der Haupt-Spieler die Börse in Schwingung und wirft die Geldmassen gegen die Drehrichtung in den Markt. Erst jetzt dürfen die Follower auch mitspielen. Dann kommt die Ansage „Rien ne va plus.“ („Nichts geht mehr.“), es darf nicht mehr mitgespielt werden. Die Börse hyped oder ditched. Die Börse kassiert alle Einsätze, nur der Hauptspieler kassiert die Gewinne.

Die Ponzi-Systeme müssen aufgelöst werden. Der Yuan darf noch weiter reduziert werden. Russland und China müssen noch stärker wirtschaftlich zusammen arbeiten und investieren. Die anderen Schwellenländer (Brics) müssen zusammenhalten und das beste was den Export-Ländern passieren könnte, wären wohlmeinende, kluge Investoren, die endlich in allen Schwellenländern Industrieanlagen bauen würden, um die Märkte der Zukunft zu begründen. Gleichzeitig sollte die Politik sich von den Mafia-Bossen und Verbrechern über dem großen Teicj endgültig verabschieden und die EU auflösen, genau wie den Euro. Jeder Monat weiter im alten Ponzi-System kostet uns einen Teil unserer Zukunft und des Lebens. Wie degeneriert wir in Europa bereits sind, zeigen die absolut hirnrissigen Berichte über die „China-Krise“. Weder werden die Fakten dargestellt, noch analysiert. Weder hat der Wirtschaftslauf etwas mit den Börsenbewegungen zu tun, noch hat die Rohstoffbörse etwas mit den Zukunftsentwicklungen in der Welt zu tun. Die Welt entwickelt sich auch ohne die USA – diese Erkenntnis mag für Patrioten schmerzlich sein, ist aber normal, wenn man die Welt als das betrachtet was sie ist: ein multivariantes, differenziertes System aus vielen Subsystemen, die noch nicht alle nach US-Pfeife tanzen.

Quelle: 27.08.2015 Henry Paul http://www.contra-magazin.com

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