Armenhaus USA – Ein Land am Abgrund

Die USA gelten vielen Menschen immer noch als Land, in dem die meisten Einwohner in Wohlstand leben würden. Doch hier sind die harten Fakten, wie desolat die Vereinigten Staaten wirklich sind. Dies sollten wir uns in Zeiten der TTIP-Verhandlungen in Erinnerung rufen.

Von Marco Maier

Amerika, da wollten einmal so viele Menschen hin. Standen die Vereinigten Staaten doch seit Anfang an für Freiheit, Chancen und den Weg vom Tellerwäscher zum Millionär. Doch die Finanzeliten haben sich vor Jahrzehnten dazu entschieden, dieses Land zu ihrer persönlichen Privatarmee zu machen. Das Geld (welches ohnehin vorwiegend nur via Kredit vorhanden ist), wird in den Militärapparat und die Geheimdienste gesteckt, damit eine kleine Oberschicht ihre internationalen Geschäfte vorantreiben kann. Der Großteil der Bevölkerung jedoch versinkt zunehmend im Elend.

Obdachloser

Die US-Seite „The Economic Collapse Blog“ hatte eine Reihe von Fakten zusammengetragen, die das Systemversagen in den USA dokumentieren. Fakten, die aufzeigen, wie groß die Armut in den Vereinigten Staaten ist und wie stark die ohnehin schon marginalisierte Mittelschicht zu leiden hat. Auch wenn die Daten schon etwas älter sind, so hat sich an der Brisanz nichts geändert. Ganz im Gegenteil: In den letzten 3 Jahren verzeichneten die USA in beinahe all den unten angeführten Gebieten eine weitere Verschlechterung.

  1. Eine kürzlich durchgeführte Studie fand heraus, dass 40 Prozent der US-Amerikaner 500 Dollar oder weniger an Ersparnissen besitzt.
  2. Eine weitere Studie besagt, dass ganze 28 Prozent der US-Amerikaner nicht einen einzigen Cent an Ersparnissen für Notfälle besitzt.
  3. Aktuell besitzen beinahe 10 Millionen US-Haushalte nicht einmal ein Bankkonto. Das sind eine Million mehr als noch im Jahr 2009.
  4. Seit der letzten Rezession stieg in der Region um Washington D.C. (eine der reichsten Regionen des Landes) die Zahl der obdachlosen Familien um 23 Prozent.
  5. Die Zahl der US-Amerikaner die in Armut leben stieg in den letzten vier Jahren um 6 Millionen Personen an.
  6. Das Median-Haushaltseinkommen pro Jahr sinkt nun schon durchgehend sein 4 Jahren. In diesem Zeitraum hat es um über 4.000 Dollar abgenommen.
  7. Ganze 62 Prozent der US-Mittelschicht sagen, dass die ihre Haushaltsausgaben im letzten Jahr reduzieren mussten.
  8. Gemäß einer Studie des Pew Research Centers sagten 85 Prozent der Mittelschicht-Amerikaner, dass es heute schwieriger ist den Lebensstandard zu halten als es noch vor 10 Jahren der Fall war.
  9. Ganze 77 Prozent der Amerikaner leben größtenteils von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck.
  10. Heutzutage haben über 41 Prozent der Amerikaner im arbeitsfähigen Alter keinen Job.
  11. Seit Januar 2009 wuchs die Erwerbsbevölkerung um 827.000 Personen an. Gleichzeitig verzeichnete die Nichterwerbsbevölkerung einen Anstieg von 8.208.000 Personen.
  12. Ganze 60 Prozent der Jobs die während der letzten Rezession verloren gingen, waren welche mit mittlerem Einkommen. Dafür waren 58 Prozent jener Jobs die seitdem geschaffen wurden Niedriglohnjobs.
  13. Ein Viertel der Erwerbstätigen bringt einen Lohn nach Hause, der unterhalb der staatlichen Armutsgrenze liegt.
  14. Derzeit haben die USA einen höheren Prozentsatz an Arbeitern mit Niedriglohn als alle anderen Industriestaaten.
  15. Weniger als 25 Prozent aller Jobs in den USA gelten als „good jobs“. Und die Zahl dieser „good jobs“ sinkt weiter.
  16. 20,2 Millionen US-Amerikaner müssen mehr als die Hälfte ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben. Das ist ein Zuwachs von 46 Prozent im Vergleich zum Jahr 2001.
  17. Viele Amerikaner haben laut eines Berichts von USA Today in den letzten 12 Jahren eine Verdreifachung der Kosten für ihre Wasserrechnung hinnehmen müssen.
  18. In den letzten fünf Jahren stiegen die Stromkosten in den USA durchwegs stärker als die offizielle Inflationsrate.
  19. Noch im Jahr 1999 waren 64,1 Prozent aller Amerikaner durch eine von den Arbeitgebern bezahlte Gesundheitsversicherung geschützt. Heute sind es nur noch 55,1 Prozent.
  20. Die Prämien für die Gesundheitsversicherungen verteuern sich stärker als das allgemeine Preisniveau in den Vereinigten Staaten.
  21. Laut einer aktuellen Umfrage wollen rund 10 Prozent der Arbeitgeber in den Vereinigten Staaten die Krankenversicherung für ihre Mitarbeiter streichen, wenn die Schlüsselbestimmungen für das neue Gesundheitsgesetz in den nächsten beiden Jahren in Kraft tritt.
  22. Im Jahr 1983 hatten die unteren 95 Prozent aller Personen mit Einkommen 0,62 Dollar Schulden für jeden Dollar den sie verdienten. Im Jahr 2007 waren es schon 1,48 Prozent – Tendenz weiter steigend.
  23. Das Volumen der Hypothekenkredite ist heute (trotz des Hypothekencrashs 2007/2008) um fünf mal höher als noch vor 20 Jahren.
  24. Die gesamten Konsumentenkredite in den USA wuchsen seit 1971 um 1.700 Prozent an.
  25. Kürzlich wurde verkündet, dass die gesamten Schulden der Studienkredite die Marke von einer Billion Dollar überschritten hat.
  26. Eine jüngst veröffentlichte Stude besagt, dass rund ein Drittel aller US-Amerikaner ihre Rechnungen nicht pünktlich bezahlen.
  27. Derzeit leben in etwa 25 Millionen erwachsene US-Amerikaner bei ihren Eltern zu Hause – weil sie sich kein eigenes Zuhause leisten können.
  28. Der Prozentsatz der Amerikaner, die es sich leisten können im Rentenalter überhaupt in die Rente zu gehen, sinkt. So sagt eine neue Umfrage, dass 70 Prozent der Mittelschicht-Amerikaner während ihres Ruhestands weiter arbeiten werden, 30 Prozent wollen (müssen) sogar bis zu ihrem 80. Lebensjahr arbeiten.
  29. Während der letzten Rezession verschwanden über 220.000 Kleinunternehmen.
  30. Im Jahr 2010 war die Anzahl der Jobs die durch Firmenneugründungen geschaffen wurde nur noch halb so hoch wie im Jahr 2000.
  31. Im Jahr 2007 hatten 19,2 Prozent der amerikanischen Familien ein Nettovermögen von Null oder weniger. Im Jahr 2010 belief sich diese Zahl auf 32,5 Prozent.
  32. Durchschnittlich 57 Prozent aller Kinder in den Vereinigten Staaten leben in einem Haushalt mit niedrigem Einkommen, bzw. in einem verarmten Haushalt.
  33. Rund 100 Millionen US-Amerikaner gelten als arm oder armutsgefährdet.
  34. Bezogen noch im Jahr 2008 30,8 Millionen US-Amerikaner Lebensmittelmarken (Food Stamps), so sind es heute bereits 46,7 Millionen US-Bürger.
  35. Durchschnittlich ein Viertel aller US-amerikanischer Kinder sind beim Food-Stamp-Program angemeldet.
  36. Derzeit befinden sich über 100 Millionen US-Bürger in mindestens einem Wohlfahrtsprogramm der US-Regierung. Ohne die reguläre Sozialversicherung oder Medicare.
  37. In Bezug auf Daten des U.S. Census Bureau wurde ein Allzeitrekord aufgestellt: 49 Prozent aller US-Bürger leben in einem Haushalt in dem mindestens eine Person finanzielle Unterstützung durch die US-Regierung erhält. Im Jahr 1983 waren es noch weniger als 30 Prozent.

Angesichts dieser sozialen und gesellschaftspolitischen Katastrophe muss man sich wirklich fragen, wie lange sich die USA diese ganze Fehlverteilung von öffentlichen Mitteln (ergo: die Kriegsführung zugunsten der Interessen der reichsten 1 Prozent) überhaupt noch leisten kann. Vor allem angesichts dessen, dass zu diesen oben angeführten Punkten noch der Kollaps der öffentlichen Pensionskassen hinzu kommt, was dutzende Millionen von öffentlichen Angestellten um einen Großteil ihrer Altersversorgung bringen wird.

Und mit diesen USA wollen wir Europäer uns via TTIP enger verbinden? Mit einem Staat, der seine Bevölkerung in Armut und Elend stürzt, damit ein paar Milliardäre weiterhin Geld scheffeln können, während deren „Privatarmee“ in Form der US-Streitkräfte weltweit Unheil anrichten? Gerade angesichts dieses sogenannten „Freihandelsabkommens“, welches schlussendlich nur ein Knebelungsvertrag zugunsten der Finanzoligarchie auf beiden Seiten des Atlantiks darstellt, sollten wir uns dies wirklich überlegen.

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